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Versteckt hinter dicken Rathausmauern - Tag der offenen Tür im Archiv Jagstberg

Von 1809 bis 1971 war Jagstberg eine selbst├Ąndige Gemeinde mit einem eigenen B├╝rgermeister, einem eigenen Gemeinderat und mit einem eigenen Rathaus. W├Ąhrend dieser Zeit sind Akten, also Briefe, Karteikarten, B├╝cher bez├╝glich Steuern, Grundbuchamt, B├╝rgerrecht, Wahlen, Stra├čenbau und vielem mehr entstanden. Diese amtlichen Akten wurden in h├Âlzernen Registraturk├Ąsten aufbewahrt. Der ├Ąlteste stammt aus dem Jahr 1820 und wurde von der Schreinerei Ehrler gefertigt. Wie es sich f├╝r eine ordentlich gef├╝hrte Verwaltung geh├Ârt, findet sich dazu auch noch die Rechnung im neu sortierten Archiv. Da das kleine Ortsarchiv f├╝r die historische Identit├Ąt der ehemaligen Gemeinde und die Rechtssicherheit unverzichtbar ist und somit wichtiges Kulturgut darstellt, wurde es in einem Erschlie├čungsprojekt im Jahr 2013/2014 neu geordnet und verzeichnet. 35,8 Regalmeter mit 1626 Verzeichnungseinheiten stehen nun gut geordnet in einem Archivraum im Rathaus von Jagstberg. Akten, B├Ąnde, Rechnungen, Pl├Ąne und Karten stehen damit der interessierten Bev├Âlkerung zu Zwecken der Heimat- oder Ahnenforschung zur Verf├╝gung. Aber nicht nur f├╝r private Zwecke dient die Archivaufbereitung. B├╝rgermeister Robert B├Âhnel verweist auf die Pflicht jeder Gemeinde, ein Archiv zu f├╝hren. Vieles k├Ânne relativ schnell wieder aus den Unterlagen genommen werden. Was eine Gemeinde aber dauerhaft verpflichtet oder beg├╝nstigt, m├╝sse ├╝ber die Jahrzehnte aufbewahrt werden. Als Beispiel nennt er die Unterlagen zum Jagstberger Realrecht. F├╝r die verschiedenen Fragestellungen bei der Suche nach Archivunterlagen erstellte der freiberufliche Archivpfleger Andreas Volk deshalb ein 245 Seiten starkes Findbuch mit Einleitung und einem Stichwortverzeichnis. ÔÇ×Es ist toll, sein Arbeitsergebnis jetzt der breiten ├ľffentlichkeit vorzustellenÔÇŁ, freut sich Ortsvorsteher Martin Landwehr und begr├╝ndet damit auch den Tag der offenen T├╝r im Archiv Jagstberg. Eine spannende Lekt├╝re ist f├╝r ihn aus dem Archivmaterial ent-standen. 2010 habe sich der Ortschaftsrat zur Aufgabe gemacht, das Archiv f├╝r die Nachwelt dauerhaft aufzubereiten und zu sichern. Auch die Bev├Âlkerung habe gro├čes Interesse daran, was ihm die vielen Besucher beim Tag der offenen T├╝r im Archiv widerspiegeln. Die Besucher f├╝hrt denn auch Andreas Volk durchs Archiv. Aus dem Jahr 1627 stammt das ├Ąlteste Dokument: Eine Ein- und Ausnahmerechnung der Stadt Jagstberg. Die Stadtrechtsurkunde ist datiert mit dem 20. September 1340. Ein Foto der Urkunde schm├╝ckt den Sitzungssaal des Ortschaftsrates. Das Original befindet sich im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Neben Erbschaftsakten und Ehevertr├Ągen fand der Archivpfleger auch einen Bauplan aus dem Jahr 1844, wonach die Ortsdurchfahrt ge├Ąndert wurde. Einen spektakul├Ąren Fund nennt er eine Rechnung f├╝r Holl├Ąnderholz. ÔÇ×Holz aus dem Jagstberger Stadtwald wurde zur Aufbesserung der Stadtkasse nach Holland verkauftÔÇŁ, erkl├Ąrt Andreas Volk den interessierten Besuchern. Er erkl├Ąrt ihnen auch, wie das Findbuch zu handhaben ist. Der Archivpfleger weist darauf hin, dass das Buch auch einen Namensindex f├╝r die Ahnenforschung beinhaltet. Der Tag der offenen T├╝r erm├Âglicht den Besuchern auch auf den Dachboden zu steigen. Schutzanzug und Mundschutz waren f├╝r Andreas Volk ein Muss, als er mit seiner Arbeit unterm Dach begann. Dort n├Ąmlich standen bisher unbeachtet drei Registraturk├Ąsten gef├╝llt mit Gemeinde- und Schulfondsrechnungen. ÔÇ×Die Dokumente waren sowohl dem Schmutz und den Temperaturschwankungen extrem ausgeliefert als auch dem Befall von Insekten und dem M├Ąusefra├čÔÇŁ, erz├Ąhlt Andreas Volk, der bei seinen Aufr├Ąumarbeiten unterm Dach immer wieder Schriftst├╝cke zwischen den Bodenbrettern oder als D├Ąmmmaterial im Dachkniestock fand. Er entdeckte Kaufbuchbeilagen und Pfandakten, die bis ins Jahr 1811 zur├╝ckreichen. Die Besucher staunen auf dem Dachboden auch ├╝ber einen sogenannten Pestsarg. Inwieweit es sich dabei wirklich um ein Original handelt, ├╝berl├Ąsst der Archivpfleger ihrer Fantasie. Der Tag des offenen Archivs gibt auch Gelegenheit, dem Buchrestaurator Bernhard Gabert bei der Arbeit ├╝ber die Schulter zu schauen. Denn was ├╝ber die Jahrhunderte in Gebrauch oder dem Zahn der Zeit ├╝berlassen war, will nun gepflegt werden. Die ÔÇ×Jagstberger G├╝terbeschreibung und SchatzungsrenovaturÔÇŽÔÇť des Bischofs zu W├╝rzburg und Herzog zu Franken von 1687 ist ein solcher Fall. Gut das Ortsvorsteher und B├╝rgermeister sich einig sind, das l├Ądierte Werk aufarbeiten zu las-sen. F├╝r die Augen gibtÔÇÖs au├čerdem einen Dokumentationsfilm, der Andreas Volk bei der Arbeit im Ortsarchiv Jagstberg zeigt. Und ein Hingucker am Sonntag ist die historische Feuerwehrspritze, die sich nicht hinter dicken Rathausmauern versteckt.

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