Verwaltungsbericht Hohenlohekreis 2009 - 2014 - page 12

11
H
Land
EinigeMonate nach demAmtswechsel hat sich UrsulaMühleck, Leiterin
der Stabsstelle Oberste Kreisorgane, Geschäftsstelle Kreistag und Pres-
se- undÖffentlichkeitsarbeit mit den beiden Landräten unterhalten.
Herr Jahn, Herr Dr. Neth, wie hat sich Ihr Leben seit dem 23. Juli 2013
verändert?
Jahn: Als Landrat hat man eine Sieben-Tage-Woche, dazu viele Abend-
und Wochenendtermine. Diesen Termindruck habe ich nicht mehr. Ich
habe schon mehr Zeit für Privates.
Neth: Die zeitliche Beanspruchung ist für mich deutlich höher gewor-
den, aber ich habe in meinem neuen Amt auch ein viel breiteres Aufga-
benfeld und eine wesentlich größere Verantwortung. Zudem habe ich
meinen Lebensmittelpunkt in den Hohenlohekreis verlegt und wohne
mit meiner Frau in Öhringen.
Herr Jahn, wo lagen die Schwerpunkte Ihrer 24-jährigen Tätigkeit?
Jahn: Ganz wichtige Themen über all die Jahre waren Bildung und
Gesundheitsvorsorge und sind es noch, aber auch die Infrastruktur, der
Straßenbau hat uns sehr häufig beschäftigt.
Herr Dr. Neth, wo setzen Sie die Schwerpunkte in den kommenden Jahren?
Neth: Die Themen, die Du lieber Helmut genannt hast, sind weiterhin ak-
tuell. Wichtige Punkte sind die Krankenhauslandschaft, die Neuaufstel-
lung beim Nahverkehr und in der Abfallwirtschaft, die Baumaßnahmen
an unseren beruflichen Schulen.
Ich werde auch weiterhin wie mein Vorgänger dafür kämpfen, dass die
Politik den ländlichen Raum nicht vergisst.
Wir wollen die Stärke unseres Kreises erhalten, unsere Identität wahren
und das Heimatgefühl stärken.
Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit dem Kreistag bezeichnen?
Jahn: Ich habe die Zusammenarbeit mit dem Kreistag immer als fair, of-
fen und sehr konstruktiv empfunden, wir hatten in der Regel einstimmi-
ge Beschlüsse, weil die Mitglieder über alle Parteigrenzen hinweg stets
nach dem Besten des Kreises strebten, die Arbeit war sachorientiert,
nicht politisch.
Neth: Im Kreistag herrscht eine Atmosphäre des guten Miteinanders.
Die Kreisräte haben mich sehr freundlich aufgenommen und mir so den
Einstieg als Landrat wirklich erleichtert.
Herr Jahn, Sie standen 24 Jahre an der Spitze dieses Landkreises. Was hat
sich in dieser Zeit verändert? Ist es heute schwieriger, Landrat zu sein?
Jahn: Vieles hat sich verändert, insbesondere gab es einen enormen
Aufgaben- und Mitarbeiterzuwachs durch zwei Verwaltungsreformen. Ich
denke, dass das öffentliche und politische Umfeld schwieriger geworden
ist, ich empfinde auch teilweise einen Verlust an Gemeinschaftssinn.
Welche Begegnungen sind Ihnen besonders in Erinnerung?
Jahn: Sehr beeindruckend fand ich die Begegnungen mit besonderen
Menschen wie demDalai Lama oder demehemaligen Bundespräsidenten
Richard von Weizsäcker, dem Namensgeber einer unserer Schulen. Aber
auch Kontakte mit ganz „normalen“ Bürgerinnen und Bürgern waren mir
sehr wichtig.
Was würden Sie als Ihren größten Erfolg bezeichnen?
Jahn: Ich bin sehr froh darüber, dass es gelungen ist, im kleinsten, einst
gar als „Sündenfall“ geschmähten Hohenlohekreis die Wirtschaft und
Infrastruktur so zu gestalten, dass wir heute einen hervorragenden Spit-
zenplatz haben und sogar als Vorzeigelandkreis gelten.
Ein paar Worte zur abgelaufenen Legislaturperiode – Was war für Sie das
wichtigste Ereignis der vergangenen fünf Jahre?
Jahn: Die Wahl des neuen Landrats.
Der „neue“ Landrat hat seine ersten Monate Amtszeit hinter sich. Herr
Dr. Neth, wie sahen Ihre ersten 100 Tage aus?
Neth: Zuerst einmal war es mir sehr wichtig, meine Mitarbeiter kennen zu
lernen. Darüber hinaus habe ich alle 16 Städte und Gemeinden besucht
und auch mit wichtigen Firmen und Unternehmen des Hohenlohekreises
gute Gespräche geführt. Seit September gibt es regelmäßig eine Bür-
gersprechstunde, die sehr gut angenommen wird. Im Herbst konnte ich
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann anlässlich einer Einbürgerungsfei-
er imHohenlohekreis willkommen heißen.
Im Berichtszeitraum sind verschiedene Projekte von Ihnen, Herr Jahn,
noch angestoßen worden. Welche sind das und werden diese fortge-
setzt?
Jahn: Erste Beratungen und Beschlüsse gab es bei der Sanierung/Um-
bau/Neubau des Landratsamts und der Gewerblichen Schule Öhringen
sowie bei der Fortführung der Hohenlohebahn und der Neuorientie-
rung des ÖPNV im Hohenlohekreis. Aber auch die Weiterentwicklung
des Hohenloher Krankenhauses und der Regionalen Gesundheitshol-
ding, sowie die Verbesserungen im Straßenverkehr wie beispielsweise
die A 6 standen auf der Tagesordnung und sind weiterhin wichtige Zu-
kunftsthemen.
Neth: Diese Bereiche werden uns weiter beschäftigen. Darüber hinaus
wird auch die Modernisierung der Verwaltung vor dem Hintergrund des
Generationswechsels im Landratsamt, die Digitalisierung mit Einfüh-
rung von E-Diensten wichtig werden um die Erwartungen der Bürger
an eine moderne Verwaltung erfüllen zu können. Auf einer Klausur mit
meinem Stellvertreter Hans-Günter Lang und den Leitern der Dezernate
haben wir erste Überlegungen angestellt und Änderungen in der Orga-
nisation beschlossen.
24 Jahre Erfahrung als Landrat des Hohenlohekreises – Herr Jahn, was
geben Sie Ihrem Nachfolger als Ratschlag mit?
Jahn: Hohenlohe und die Hohenloher zu lieben.
Herr Dr. Neth, haben Sie die Hohenloher schon lieben gelernt?
Neth: Ich werde von Anfang an überall sehr offen und freundlich auf-
genommen, dafür bin ich sehr dankbar. Ich lerne die Hohenloher auch
immer besser kennen und freue mich auf die weiteren Begegnungen
und die Gespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern des Kreises. Mit
Ihnen gemeinsam möchte ich unseren Hohenlohekreis in eine gute Zu-
kunft führen.
Herr Jahn, Herr Dr. Neth, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Interview zum Amtswechsel mit den Landräten Helmut M. Jahn
und Dr. Matthias Neth
Abschied & neubeginn
1...,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11 13,14,15,16,17,18,19,20,21,22,...58
Powered by FlippingBook