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Neuer Faust, alte Tragödie?

[Artikel vom 09.08.2019]

Theater-AG der Kaufmännischen Schule Öhringen inszeniert moderne Bühnenadaption von Goethes Hauptwerk
 
Schon nach wenigen Minuten wird den zahlreichen Zuschauern im Foyer der Kaufmännischen Schule Öhringen eines bewusst: diese Faust-Aufführung packt Goethes Hauptwerk, den „Faust“, nicht mit Samthandschuhen an, im Gegenteil. Lässig räkelt sich dominagleich ein erotisch aufgeladener, weiblicher Mephisto auf dem schwarzen Flügel. Der Teufelin Lied, „Hurra, diese Welt geht unter“ von K.I.Z., gesungen von Michelle Malinowski, spiegelt die dargebotene nihilistische Grundhaltung wider, denn „alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht“. In dieser modernen Interpretation des Klassikers sind es die Mitschüler des jungen Heinrich Faust, die sich angesichts der empfundenen Sinnlosigkeit des Seins in einem flotten Reigen den Ballast des unnütz erlernten Wissens von der Seele reden. Faust selbst, wunderbar empfindsam von Nathan Theobald gespielt, kann den alltäglichen Banalitäten seiner Freunde nichts mehr abgewinnen, er leidet existenziell: „Zwar weiß ich viel, doch möcht‘ ich alles wissen!“ Er äußert den sehnlichen Wunsch zu ergründen, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Diese tragische, in einer existenziellen Unzufriedenheit gründende Lebenskrise sucht er gemeinsam mit Mephisto zu bewältigen. Der diabolisch-schalkhafte Mephisto verschleiert allerdings, seiner teuflischen Natur entsprechend, sein Anliegen, nichts als Unheil verbreiten zu wollen: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Des Teufels Heilsweg führt ihn durch niedere irdische Genüsse wie Geld, Drogen und Sex, stets herbeigeführt mithilfe einer gesunden Portion dunkler Magie, für deren Darbietung sich die minimalistisch ausgestattete Bühne in verschiedenste Schauplätze verwandelt. Doch auch die Gespielinnen des Teufels vermögen es nicht, Fausts innere Leere zu füllen. Dies vermag erst die Liebesbeziehung zu dem jungen Mädchen Margarete, die ihn, gespielt von Laura Müller, in ihrer ablehnenden und zugleich anziehenden Schüchternheit fasziniert: „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, mein Arm und Geleit Ihr anzutragen“. Und wie im Original benötigt Faust erst die Hilfe Mephistos, in Form eines Liebestranks, um Margarete für sich zu gewinnen. Doch im Gegensatz zur literarischen Vorlage gewinnt nicht das Böse, des Teufels „eigentliches Element“. Es ist vielmehr Faust selbst, der seine Angst vor dem Vater werden überwindet und damit der alten Tragödie eine neue Lesart gibt, indem er sich zur Liebe bekennt: „Verweile doch, du bist so schön!“
 
Es spielten und wirkten mit:
Nathan Theobald (Faust), Laura Müller (Gretchen), Michelle Malinowski (Mephisto), Manolo Bender (Gott, Schüler, Börsenmakler), Fabienne Stark (Schüler, Engel), Amelie Gonetzko (Mädchen, Teufel), Kim Fleischmann (Teufel, Mädchen), Max Nodes (Wagner), Silvano Tripisciano (Schüler, Börsenmakler), Lars Koppenhöfer (Schüler, Börsenmakler), Paula Stumpf (Schülerin), Björn Auerbach (Börsenmakler, Regie), Pauline Schieber (Requisite, Bühnenbild), Natasha Barth (Bühnenbild, Maske, Souffleuse), Anni Vorobev (Bühnenbild)
 

Nathan Theobald (Faust) im Gespräch mit Laura Müller (Gretchen)
Nathan Theobald (Faust) im Gespräch mit Laura Müller (Gretchen)

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