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Paradigmenwechsel beim Vermessungsamt

[Artikel vom 07.08.2018]

Paradigmenwechsel beim Vermessungsamt
Europaweit einheitliches Referenz- und Koordinatensystem eingeführt
 
Zu Beginn des Jahres 2018 hat die Vermessungsverwaltung das Liegenschaftskataster nach ETRS89/UTM umgestellt. Hinter diesem Begriff verbirgt sich das „Europäische Terrestrische Referenzsystem 89 in Universaler Transversaler Mercatorabbildung“. Dieses satellitengestützte europaweit einheitliche Referenz- und Koordinatensystem löst das bisherige Koordinatensystem nach Gauß-Krüger ab. Grund für die Umstellung ist die europäische Richtlinie „INSPIRE“ (Infrastructure for Spatial Information in Europe), die eine einheitliche europäische Geodateninfrastruktur schaffen soll.
 
Für die Umstellung waren umfangreiche Vorarbeiten notwendig. So mussten rund 7000 Vermessungspunkte im Hohenlohekreis per Satellitenvermessung ins neue System eingepflegt werden. Diese stellten den Rahmen für die Umwandlung aller Koordinaten des Liegenschaftskatasters dar. Dazu zählen neben Vermessungspunkten auch Grenzpunkte, Gebäudeecken sowie Punkte der tatsächlichen Nutzung der Flurstücke.
 
Das neue System birgt viele Vorteile: Nun können landesweit Koordinaten des Liegenschaftskatasters direkt zentimetergenau abgesteckt und aufgemessen werden. Die bisher erforderliche Einbindung der Koordinaten in das umgebende Vermessungspunktfeld entfällt. Vermessungen lassen sich so deutlich schneller und einfacher durchführen, zudem müssen auch die Vermessungspunkte nun nicht mehr erhalten und gepflegt werden. „Nachdem nun fast 200 Jahre unsere Liegenschaftsvermessungen immer in die Nachbarschaft eingebunden werden mussten, stellt dies nun einen Paradigmenwechsel in der Vermessungstechnik im Liegenschaftskataster dar“, betont Vermessungsamtsleiter Gerald Bär.
 
Voraussetzung ist allerdings, dass eine hohe Genauigkeit der Grenzpunkte vorliegt. Dies ist bei der Hälfte der Grenzpunkte im Hohenlohekreis der Fall. Bis diese für alle Punkte vorliegt, wird es noch mehrere Jahre dauern. Bis dahin ist es in diesen Fällen nach wie vor erforderlich, die exakte Grenze aus den alten Katasterunterlagen zu ermitteln, die bis zur Landesvermessung vor rund 200 Jahren zurückgehen können.
 
Beim Ortstermin in Windischenbach machte sich Landrat Dr. Matthias Neth selbst ein Bild von der neuen Technik. „Ich bin beeindruckt. Das ist eine erhebliche Erleichterung für unser Vermessungsamt“, erklärte er, nachdem die Kontrolle eines neuen Grenzpunktes im Baugebiet Brunnenwiesen zu Demonstrationszwecken nur wenige Minuten in Anspruch nahm.
 
Um mit der Satellitenvermessung die im Liegenschaftskataster geforderte Genauigkeit zu erzielen, ist eine technisch anspruchsvolle Infrastruktur erforderlich – in diesem Fall der Satellitenpositionierungsdienst SAPOS. Über das Land verteilt liefern 16 permanent betriebene Referenzstationen Korrekturwerte der Satellitensignale. „Diese Korrekturwerte werden über Internet oder Telefonleitung an unsere Messwerte angebracht, so dass wir die geforderte  Positionsgenauigkeit von ein bis zwei Zentimetern erzielen können“, erläutert die Vermessungstechnikerin Claudia Kircher.
Bei ihren Satellitenvermessungen nützt das Amt bisher in Kombination die amerikanischen Satelliten GPS und die russischen GLONASS-Satelliten. Zum Ende dieses Jahres soll es dann auch möglich sein, die europäischen GALILEO-Satelliten einzubinden. Dies wird zu einer weiteren Erhöhung an Verfügbarkeit und Genauigkeit führen.
 
Die Funktion des neuen Systems ist lediglich dadurch eingeschränkt, dass es im Hohenlohekreis nach wie vor Bereiche gibt, in denen keine Korrekturwerte der Referenzstationen empfangen werden können. Auch in eng bebauten Gebieten sowie in vielen Waldgebieten ist oft kein Empfang der Satellitendaten möglich. In diesen Fällen führen die Techniker die Vermessungen weiterhin mit erdgebundenen Geräten durch.

Vermessungstechnikerin Julia Kießling demonstriert Landrat Dr. Matthias Neth sowie dem Pfedelbacher Bürgermeister Torsten Kunkel die neue Technik. Die Daten des Empfängers der Satellitensignale werden mithilfe eines kleinen Tablet-Computers ausgelesen.
Die Kontrolle eines neuen Grenzpunktes im Baugebiet Brunnenwiesen in Windischenbach ergab, dass der Grenzpunkt mit einer Abweichung von einem Zentimeter innerhalb der geforderten Genauigkeit von drei Zentimetern liegt.
Vermessungstechnikerin Julia Kießling demonstriert Landrat Dr. Matthias Neth sowie dem Pfedelbacher Bürgermeister Torsten Kunkel die neue Technik. Die Daten des Empfängers der Satellitensignale werden mithilfe eines kleinen Tablet-Computers ausgelesen.
Die Kontrolle eines neuen Grenzpunktes im Baugebiet Brunnenwiesen in Windischenbach ergab, dass der Grenzpunkt mit einer Abweichung von einem Zentimeter innerhalb der geforderten Genauigkeit von drei Zentimetern liegt.

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