Nachbarschaftliche Kooperation beim geförderten Glasfaserausbau

Zweckverband Breitband des Landkreises Schwäbisch Hall öffnet sich für Kommunen aus dem Hohenlohekreis

Nachdem die Deutsche GigaNetz GmbH (DGN) den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau im Hohenlohekreis bekannterweise weitestgehend eingestellt hat, wird nun der Weg für einen koordinierten, geförderten Ausbau geebnet.

Ein entscheidender Schritt wurde in der vergangenen Woche getan: Die Verbandsversammlung des Zweckverbands Breitband des Landkreises Schwäbisch Hall hat in einem Grundsatzbeschluss einstimmig zugestimmt, seine Türen für interessierte Kommunen aus dem Hohenlohekreis zu öffnen.

Dieser Beschluss schafft eine neue und verlässliche Perspektive für die Städte und Gemeinden im Hohenlohekreis, die vom Rückzug der DGN betroffen sind und bislang keine eigene Planung für den vom Bund und Land geförderten Ausbau vorweisen können. Den Kommunen steht damit nun die Möglichkeit offen, auf die bewährten Strukturen und die Expertise eines etablierten, kommunal getragenen Zweckverbands zu setzen.

Dem Grundsatzbeschluss ging eine Informationsveranstaltung am 11. Mai 2026 voraus, zu der das Landratsamt Hohenlohekreis alle Städte und Gemeinden einlud. Herr Kastenholz, Geschäftsführer des Zweckverbands Breitband des Landkreises Schwäbisch Hall, stellte in diesem Termin die Leistungen, die Organisation und die grundsätzlichen finanziellen Rahmenbedingungen für einen möglichen Beitritt vor.

Das Landratsamt Hohenlohekreis begrüßt und unterstützt diese nachbarschaftliche Kooperation ausdrücklich, da beispielsweise die Gründung eines eigenen Zweckverbands durch Verbandsaufbau und Personalakquise einen erheblichen Zeitfaktor und damit eine weitere Verzögerung für die Kommunen bedeutet hätte. Aus diesem Grund hat sich der Hohenlohekreis – nach dem positiven Verlauf eines Vorgesprächs einer Jagsttal-Kommune mit dem Zweckverband – dafür eingesetzt, dieses Angebot auch gegenüber den übrigen Kommunen zu öffnen.

Der nun gefasste Grundsatzbeschluss bildet die Grundlage für die nächsten Schritte. Er stellt noch keine Verpflichtung für einzelne Kommunen dar, sondern schafft lediglich die formale Möglichkeit eines Beitritts. Darüber entscheiden jede Stadt und Gemeinde individuell. Für einzelne Kommunen, die im Verfahren des geförderten Ausbaus bereits weit fortgeschritten sind, kann auch die Weiterführung in Eigenregie sinnvoller sein.

In den kommenden Wochen werden die Verantwortlichen des Zweckverbands deshalb individuelle Gespräche mit den interessierten Städten und Gemeinden im Hohenlohekreis führen. Dabei sollen die jeweiligen Ausgangslagen analysiert und die konkreten Bedingungen für einen Beitritt erörtern werden, da beispielsweise die noch zu kalkulierenden Kosten abhängig von der Anzahl der beitretenden Kommunen sind.

Ziel ist es, die Beitritte im Laufe des Jahres 2026 abzuschließen. Aufgrund der nötigen Vorbereitungen im Zweckverband sowie des Windhundverfahrens auf Fördermittelebene ist eine Fördermittelbeantragung bei Bund und Land ab 2028 realistisch, kann in Einzelfällen jedoch möglicherweise auch schon in 2027 erfolgen.

„Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir für einen flächendeckenden und zukunftsfähigen Glasfaserausbau einen verlässlichen und langfristig denkenden Partner an unserer Seite brauchen“, so Landrat Ian Schölzel. „Die Kooperation mit dem Zweckverband Breitband des Landkreises Schwäbisch Hall bietet uns genau das: eine Partnerschaft auf Augenhöhe und einen realistischen Fahrplan. Unser Fokus für den geförderten Glasfaserausbau liegt auf einem soliden, schrittweisen Fortschritt für die digitale Infrastruktur im Hohenlohekreis.“

Mit diesem Vorgehen wird der Glasfaserausbau im Hohenlohekreis auf eine neue, stabile Basis gestellt. Der Landkreis begleitet diesen Prozess proaktiv und im direkten Austausch mit dem Zweckverband, um eine transparente Kommunikation zu gewährleisten und eine nachhaltige Versorgung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen mit schnellem Internet sicherzustellen. Gleichzeitig symbolisiert dies einen wichtigen Schritt im Sinne der interkommunalen, kreisübergreifenden Zusammenarbeit.
 

Hintergrund:

Mit Unterstützung des Gigabitkompetenzzentrums (GKZ), das bei der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken (WHF) angesiedelt ist, konnten in den vergangenen Jahren etliche Gebiete im Hohenlohekreis eigenwirtschaftlich durch die DGN ausgebaut werden. Die Fokussierung auf den eigenwirtschaftlichen Ausbau diente der kommunalen Kosteneinsparung, da im geförderten Ausbau 10 % der Ausbaukosten selbst getragen werden müssen, wo hingehend im eigenwirtschaftlichen Ausbau keine Kosten für die Städte und Gemeinden anfallen.

Der Fokus lag deshalb zunächst darauf, den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau voranzutreiben. In den letzten Jahren und Monaten haben sich jedoch aufgrund der Inflation, der Zinssteigerungen und der gesamtwirtschaftlichen Lage Herausforderungen ergeben, die einen Glasfaserausbau für viele Unternehmen nicht mehr wirtschaftlich darstellbar werden ließen. Aus diesem Grund zog sich die DGN zunächst vom geplanten Ausbau im Jagsttal, später auch von den noch nicht angeschlossenen Kommunen im Kochertal zurück. Auf der Hohenloher Ebene sowie in weiten Teilen der Region Heilbronn-Franken konnte hingegen ein Großteil der Gebiete ausgebaut werden, weshalb für das Gesamtprojekt dennoch eine positive Bilanz gezogen werden kann.

Nach den nun geänderten Rahmenbedingungen steht nun eine verlässliche und flächendeckende Ausrichtung des geförderten Ausbaus im Vordergrund.