Lebensräume bewahren: Warum die Pflege von Streuobstwiesen uns alle angeht

Schutz, Pflege und nachhaltige Nutzung bleiben wichtige Aufgaben

Ob als prägendes Landschaftsbild, Heimat für rund 5.000 Tier- und Pflanzenarten oder als Lebensraum für zahlreiche alte und regionaltypische Obstsorten: Streuobstwiesen sind ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft im Hohenlohekreis.

Angesichts eines deutlichen Rückgangs der Bestände rücken der Schutz, die Pflege und die nachhaltige Nutzung dieser wertvollen Biotope zunehmend in den Fokus.

Baden-Württemberg ist das Streuobstland Nummer eins in Europa und beherbergt die größten zusammenhängenden Streuobstgebiete. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieses Lebensraums, der die Eigenschaften lichter Wälder mit denen blühender Wiesen vereint. Auch im Hohenlohekreis sind Streuobstwiesen landschaftsprägend. Rund 180.000 Bäume werden hier geschätzt – doch dieser Bestand ist bedroht.

Seit den 1960er-Jahren ist die Zahl der Streuobstbäume landesweit um fast die Hälfte zurückgegangen. Zu den Hauptursachen zählen mangelnde Wirtschaftlichkeit, Krankheiten sowie ein schwindender Bezug zur nachhaltigen Pflege. Heute stellen vor allem die Überalterung der Bestände, fehlende Baumpflege und ausbleibende Nachpflanzungen eine Herausforderung für die regionalen Streuobstwiesen dar. Diese Entwicklung betrifft auch den Hohenlohekreis.

Um dem entgegenzuwirken, stehen verschiedene Beratungsangebote, öffentliche Aufklärung und finanzielle Anreize von Land, EU und Kommunen zur Verfügung. Allein im Hohenlohekreis werden rund 128.000 Bäume und entsprechende Flächen über die Programme für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) sowie die Landschaftspflegerichtlinie (LPR) gefördert. Die spezielle Landesförderung für den Streuobst-Baumschnitt ist darüber hinaus ein wichtiger Baustein der landesweiten Streuobstkonzeption 2030.

Hinzu kommt das Engagement der Kommunen: Die Verwaltungsgemeinschaft Öhringen-Pfedelbach-Zweiflingen sowie die Gemeinden Kupferzell und Künzelsau unterstützen den Erhalt aktiv durch eine eigene Baumschnittförderung im Rahmen der Biotopvernetzung. Da für eine intakte Biodiversität nicht nur einzelne Biotope, sondern vor allem deren Vernetzung entscheidend ist, nimmt der Hohenlohekreis mit seiner hohen Dichte an kommunalen Biotopvernetzungskonzeptionen eine wichtige Vorbildfunktion in Baden-Württemberg ein.

Ein weiterer Baustein für den Erhalt der genetischen Vielfalt ist die Pflege alter Kulturpflanzen. Baden-Württemberg setzt hierbei auf sogenannte Landkreissorten. Der Hohenlohekreis hat die Patenschaft für den Öhringer Blutstreifling, die Masselbacher Mostbirne und die Kirchensaller Mostbirne übernommen. Wer im Rahmen der Biotopvernetzung neue Streuobstpflanzungen fördert, kann gezielt auf diese lokalen Sorten zurückgreifen.

„Streuobstwiesen gehören zum Hohenlohekreis wie Weinberge, Wälder und Felder. Sie prägen unsere Kulturlandschaft, bieten wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und stehen zugleich für eine über Generationen gewachsene Form der Bewirtschaftung. Ihr Erhalt ist deshalb Naturschutz, Landschaftspflege und Heimatpflege zugleich“, betont der Erste Landesbeamte Marco Hess. 

Wie vielfältig Streuobst genutzt werden kann, konnten Besucherinnen und Besucher am Sonntag, 4. Oktober 2026, bei der Kupferzeller Kärwe erleben. Das Landwirtschaftsamt des Hohenlohekreises informierte dort an einem Infostand über die ökologische Bedeutung von Streuobstwiesen. Bei Vorführungen und einer Verkostung wurde zudem gezeigt, wie vielfältig sich heimisches Obst verarbeiten lässt. Denn klar ist: Nur wenn die Bewirtschaftung wieder wertgeschätzt und aktiv betrieben wird, können die Streuobstwiesen im Hohenlohekreis auch für kommende Generationen erhalten bleiben.

Ein grüner Streuobstbaum mit roten Äpfeln
Einer von rund 180.000 Streuobstbäumen im Hohenlohekreis.