Der Hohenlohekreis hält Kurs – trotz Gegenwind
Landrat bringt Haushalt 2027 ein: Konsequenter Sparkurs und gezielte Investitionen trotz steigender finanzieller Belastungen
Landrat Ian Schölzel hat am Montag, 2. November 2026, den Haushaltsentwurf für das Jahr 2027 in den Kreistag eingebracht.
Trotz umfangreicher Einsparungen bleibt die finanzielle Lage angespannt: Steigende Ausgaben für Sozialleistungen und das Krankenhaus treffen auf eine rückläufige Steuerkraft. Der Landkreis setzt deshalb seine Haushaltskonsolidierung fort und investiert zugleich gezielt in Schulen, Straßen und eine leistungsfähige Verwaltung. Die Kreisumlage soll auf 36,75 Prozent steigen.
„Wir haben mit unserer Haushaltssicherung unsere Hausaufgaben gemacht“, betonte Landrat Schölzel. „Trotz aller eigenen Anstrengungen bleibt die strukturelle Unterfinanzierung aber bestehen.“ Bund und Land müssten deshalb die Finanzierung der Aufgaben sicherstellen, die sie den Landkreisen übertragen. Der Landrat forderte weniger Bürokratie, eine auskömmliche Krankenhausfinanzierung und eine grundlegende Reform der Kommunalfinanzen.
Grundlage des Haushaltsentwurfs ist der intensive Haushaltssicherungsprozess von Verwaltung und Kreistag. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben dafür mehr als 500 Einzelmaßnahmen erarbeitet. Das daraus entwickelte Sparpaket umfasst strukturelle Anpassungen, Kürzungen und die Überprüfung eigener Standards. Betroffen sind auch freiwillige Leistungen, etwa in den Bereichen Kultur, Wirtschafts- und Tourismusförderung sowie bei der Unterstützung von Vereinen und ehrenamtlichem Engagement.
2027 wird dieser Prozess fortgesetzt. Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung der Verwaltungsorganisation und die Verbesserung der Arbeitsabläufe. Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz sollen dort eingesetzt werden, wo sie Beschäftigte konkret entlasten. Für die Jahre 2027 bis 2029 sind grundsätzlich keine zusätzlichen Stellen vorgesehen. Frei werdende Stellen werden vor einer Nachbesetzung überprüft. Die jährliche Steigerung der Personalkosten soll einschließlich tariflicher Erhöhungen auf drei Prozent begrenzt werden.
Besonders stark belasten die Sozialausgaben den Haushalt. Für die Eingliederungshilfe sind 2027 Zuschüsse aus Kreismitteln von 32 Millionen Euro vorgesehen, für die Kinder- und Jugendhilfe 29,3 Millionen Euro und für die Hilfe zur Pflege 6,3 Millionen Euro. Landrat Schölzel betonte, dass notwendige Leistungen verlässlich erbracht werden müssten. Zugleich brauche es einfachere Verfahren und eine stärkere finanzielle Beteiligung des Landes.
Für das erwartete Krankenhausdefizit sind im Haushaltsentwurf 9,5 Millionen Euro vorgesehen – 4,5 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. „Eine funktionierende Gesundheitsversorgung vor Ort ist für die Menschen ein ganz zentrales Fundament für soziale Sicherheit und Lebensqualität“, erklärte Schölzel. Die Mittel seien deshalb eine bewusste Prioritätensetzung. Parallel werde an einer Zukunftskonzeption für den Krankenhausstandort und den Gesundheitscampus in Öhringen gearbeitet. Die Ergebnisse sollen im ersten Halbjahr 2027 vorliegen.
Die vorgesehene Kreisumlage von 36,75 Prozent ist Folge des trotz eigener Einsparungen verbleibenden Finanzierungsbedarfs. Allein der eingeplante Ausgleich des Krankenhausdefizits entspricht rechnerisch rund vier Kreisumlagepunkten. Der Landrat betonte, dass sich der Landkreis der Belastung für die Städte und Gemeinden bewusst sei. Ziel bleibe eine faire Lastenverteilung innerhalb der kommunalen Familie.
Für Investitionen sieht der Haushaltsentwurf 2027 Auszahlungen von insgesamt 33,78 Millionen Euro vor. Davon entfallen 5,63 Millionen Euro auf den Bildungsbereich und 12,5 Millionen Euro auf den Neubau des Landratsamtes. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Fertigstellung für 2029. Weitere Schwerpunkte der mehrjährigen Planung sind Schulgebäude sowie Straßen und Brücken, darunter die Marlacher Steige. Damit sollen die Voraussetzungen für einen wirtschaftlich starken und lebenswerten Landkreis erhalten bleiben.
Abschließend dankte Landrat Schölzel den Kreistagsfraktionen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung für die intensive Vorbereitung des Haushaltsentwurfs. Dieser bildet die Grundlage für die nun anstehenden Beratungen im Kreistag.
Foto: Landratsamt Hohenlohekreis
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