Antrittsbesuch: Eine Tourismus-Region mit überraschend vielen Facetten
Der neue Erste Landesbeamte Marco Hess erkundete bei einer Kreisbereisung die touristische Vielfalt des Hohenlohekreises – und sprach mit Gastgebern und Unternehmern über Chancen und Herausforderungen in der Region.
Was bleibt nach einem Tag, der vom Würth Museum über Weinbau, Gastronomie und Kloster bis zum Campingplatz und zur Jagstmühle führte? Für Marco Hess vor allem eine Erkenntnis: wie erstaunlich vielseitig der Hohenlohekreis auf vergleichsweise engem Raum ist. „Ich fand es unheimlich spannend, diese Vielfalt des Landkreises zu erleben“, zeigt sich der neue Erste Landesbeamte beeindruckt. Von der Hohenloher Ebene über das Kocher- bis ins Jagsttal änderten sich die Landschaft und die touristischen Schwerpunkte.
Kunst und Kultur, Radfahren, Wein und regionale Produkte, Gastronomie, außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeiten oder spirituelle Orte seien keine isolierten Angebote, betonte Marco Hess nach der Kreisbereisung. Sie würden sich ergänzen und vor allem von den Menschen leben, die neue Ideen entwickeln und sich für ihre Heimat engagieren.
Anlass der Tour war Marco Hess’ Amtsantritt. Er wollte die Angebote der Tourismusbranche kennenlernen und direkt von den Akteuren erfahren, was gut läuft und wo Herausforderungen liegen. „Mehr als 430.000 Übernachtungen werden jährlich im Hohenlohekreis gezählt. Dennoch gilt die Region weiterhin als Geheimtipp abseits des Massentourismus“, so sein Eindruck.
Vom Museum bis zur Brennerei
Wie unterschiedlich die Angebote sind, zeigte bereits der Auftakt im Würth Museum 2 in Künzelsau-Gaisbach. Mit Stefanie Volz, Abteilungsleiterin Marketing und Vertrieb für den Bereich Kunst, sprach der Erste Landesbeamte darüber, wie das kostenfreie Kulturangebot noch stärker von Radfahrern, Gästen und der Bevölkerung wahrgenommen werden kann.
Bei Mozers Spirit in Pfedelbach rückten regionale Produkte und moderne Direktvermarktung in den Mittelpunkt. Familie Mozer will künftig noch ersichtlicher machen, was aus den eigenen Erzeugnissen entsteht. Eine offene Brennerei, Veranstaltungen und Hoffeste nach dem Gedanken „vom Acker auf den Teller“ sollen Regionalität zum Erlebnis machen. Dieser Ansatz bleibt Marco Hess in Erinnerung: Besucherinnen und Besucher sollen nicht nur ein Produkt kaufen, sondern erfahren, woher es kommt und wer dahintersteht.
Bei der Weinkellerei Hohenlohe in Bretzfeld-Adolzfurt ging es mit dem geschäftsführenden Vorstandsvorsitzenden Reinhold Fritz und Geschäftsführer Eberhard Brand um aktuelle Herausforderungen im Weinbau, Veranstaltungen und die Frage, wie Hohenlohe als Weinregion noch bekannter wird.
Tourismus ist auch Lebensqualität
Dass zu einer attraktiven Region eine funktionierende Gastronomie gehört, wurde beim Besuch der „Krone am Fluss“ in Forchtenberg-Sindringen deutlich. Inhaberin Angelika Walter-Hertweck berichtete von Schwierigkeiten wie geschlossenen Mittagstischen, schwankenden Gästezahlen und der Suche nach Fach- und Arbeitskräften. Mit einem neuen Wellnessangebot setzt der Betrieb zeitgemäße Akzente.
Für Marco Hess machten die Gespräche deutlich, weshalb Tourismus auch für einen Landkreis wichtig ist, der vor allem als starker Wirtschaftsstandort und Heimat zahlreicher Weltmarktführer bekannt ist. Touristische Angebote werden zwar von auswärtigen Gästen mitgetragen, erhöhen aber zugleich die Lebensqualität der Menschen vor Ort. Gute Gastronomie, Freizeit-, Kultur- und Erholungsangebote machten Hohenlohe auch als Wohn- und Arbeitsort attraktiver – und könnten damit bei der Gewinnung von Fachkräften eine Rolle spielen.
Im Kloster Schöntal lernte Marco Hess einen Ort kennen, der Kultur, Geschichte, Spiritualität und Bildung verbindet und vor allem Ruhesuchende anspricht. Das Bildungshaus arbeitet auch mit Universitäten und Hochschulen zusammen. Auf dem Green Camp Schleierhof bei Forchtenberg zeigte Inhaber Peter Schimmel anschließend, wie Wohnmobil- und Campingtourismus neue Gästegruppen nach Hohenlohe bringt. Zur Sprache kam dort auch der bürokratische Aufwand, der die Entwicklung neuer Konzepte erschwert.
Engagement für die eigene Heimat
Ersichtlich wurde das Zusammenspiel von Wirtschaft und Tourismus zum Abschluss in der Jagstmühle in Mulfingen-Heimhausen. Im Austausch mit Unternehmer Ralf Sturm ging es nicht nur um Gastronomie. Marco Hess beeindruckte dessen Verbundenheit mit der Region. Sturm habe vermittelt, wie wichtig es ihm und seiner Familie sei, etwas von dem, was wirtschaftlich in Hohenlohe erwirtschaftet werde, wieder vor Ort einzusetzen und regionale Projekte zu unterstützen.
Nach sieben Stationen durch unterschiedliche Landschaftsräume stand für Marco Hess weniger ein einzelnes touristisches Highlight als das Zusammenspiel im Vordergrund. Hohenlohes Stärke liege vielmehr darin, dass Gäste und Einheimische hier viele hochwertige Produkte und Angebote vorfinden können – dies gelte es zu stärken und künftig noch sichtbarer zu machen.
Autorin: Linda Hener

